Der rumänische
Hund
In
Deutschland gibt es eine Vielzahl an beliebten Hunderassen. Viele
dieser Rassen wurden ursprünglich für einen bestimmten Zweck
gezüchtet. So gibt es Hütehunde, die man für das Treiben
von Schafen oder Rindern benutzt. Die heute häufig als "Familienhund"
gehaltene Gruppe der Retriever (Golden Retriever, Labrador Retriever,
Flat Coated Retriever etc.) hatte ihren Ursprung in der Arbeit als
Apportierhund, vor allem bei der Jagd von Federvieh zu Land und auch
zu Wasser. Dass viele Retriever über eine Vorliebe für Wasser
verfügen, werden einem die Halter dieser Hunde gerne bestätigen,
wenn ihr Hund auf dem Spaziergang wieder einmal keine Pfütze
für eine kleine Abkühlung auslässt - und das bei Regenwetter...

Pitschepudelnass
- nicht nur Retriever gehen gerne baden...
Es
gibt in Deutschland über 300 sog. anerkannte Hunderassen.
Wenn man mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund anzuschaffen, dann
sollte jedem geraten sein, sich vorab mit den Eigenschaften einer
Rasse zu beschäftigen. Bei einem Jack Russel Terrier Welpen kann
man davon ausgehen, dass man einen bewegungsfreudigen, aktiven Hund
erhalten wird. Ein Cocker Spaniel, der für die Stöberarbeit
bei der Jagd gezüchtet wurde, tut mit großer Wahrscheinlichkeit
auch eben dieses besonders gern - er wuselt mit der Nase am Boden
durch die Gegend. Dass seine Ohren dabei durch den Dreck schleifen
ist ihm auch dann egal, wenn er damit zuhause den hellen Teppichboden
einsaut. Er schnüffelt nunmal gern und denkt währenddessen
sicher an einiges, aber nicht daran, ob sie nach dem Spaziergang wohl
den Dreck wieder von seinen Ohren bekommen.

Viele große
Rassen wie dieser Berner Sennenhund lassen es vor allem bei sommerlichen
Temperaturen lieber gemütlich angehen. Wenn man sich einen sportlichen
Hunde-Partner wünscht, sollte man auf andere Rassen zurück
greifen.
Natürlich
sind Hunde Individuen. Und man wird unter den Retrievern Individuen
finden, die allenfalls an ihrem Trinknapf mit Wasser in Berührung
kommen und es ansonsten aber meiden wie der Teufel das Weihwasser,
ebenso wie es auch stinkfaule Jack Russel Terrier geben
kann. Aber es gibt Tendenzen, über die man sich informieren kann,
wenn man mit einer speziellen Rasse liebäugelt. Und dann muss
man sich nicht wundern, wenn der Border Collie plötzlich anfängt
die Kinder zu hüten, was wiederum allenfalls dem Hund Spaß
bringen wird, den Kindern wohl kaum.

Jack Russel Terrier
stehen ihren "großen Kollegen" in nichts nach. Sie
sind durchsetzungsfähige, selbstbewusste Hunde, die in ihren
Ursprüngen als mutige Rattenbekämpfer oder für die
Jagd im Fuchsbau Verwendung fanden. Auch wenn ein Hund klein ist,
ist er ein Hund.
Aber
wie ist das denn nun mit den rumänischen Hunden?
Wer sich die Hunde auf unseren Seiten anschaut, wird feststellen,
dass sich darunter nur wenige Hunde befinden, die man rein optisch
direkt einer bestimmten Rasse zuordnen kann. Dies ist kein Zufall.
Während in Mittel- und Südeuropa das Vorkommen der Rassehunde
und der recht gut zu differenzierenden Mischungen daraus recht groß
ist, ist der Anteil der Rassehunde in Rumänien sehr gering. Rumänien
ist ein armes Land. Die durchschnittliche Bevölkerung kann sich
den Kauf von Rassehunden gar nicht leisten. So kommt es auch nur selten
vor, dass solche Hunde in einem der wenigen rumänischen Tierheime
landen.
Was
sind das also für Hunde, die da im Tierheim warten?
Auch Rumänien hat seine eigenen Hunderassen. Es gibt bestimmte
Schläge von Hütehunden. Sie ähneln optisch z.B. den
altdeutschen Hütehundrassen oder dem ungarischen Mudi. Auch Hunde,
die nicht für das Hüten und Treiben, sondern für das
Bewachen von Schafherden gebraucht werden, kommen vor. Diese sog.
Hirtenhunde sind die typischen Vertreter "großer, stoischer
Hunde" mit dickem Fell, die besonders durch ihre Präsenz
dafür sorgen, dass den Schafen nichts geschieht. Sie ähneln
Herdenschutzhunden wie z.B. dem russischen Owtcharka oder dem ungarischen
Kuvazs, sind aber nicht ganz so groß, wie die genannten. Auch
hier stanen bei der Zucht weniger die optischen Eigenschaften im Vordergrund.
Ein viel wichtigeres Kriterium war die Veranlagung, die Herde selbstständig
und ohne Anweisungen des Hirten im Auge zu behalten und vor Wölfen
und anderen Raubtieren zu beschützen. Eine gesteigerte Aggressivität
war bei der Zucht dieser Tiere jedoch unerwünscht, mussten Sie
sich doch in den normalen Alltag ebenso integrieren lassen. Geringe
oder bestenfalls keine Jagdleidenschaft, Genügsamkeit und Robustheit
gegenüber den klimatischen Bedingungen standen ebenso auf der
Wunschliste.

Dieses Bild zeigt
einen altdeutschen Hütehund. Bei diesen Hunden trifft der Begriff
"Rasse" nicht ganz zu. Man spricht von Schlägen. Ihre
Zucht befasste sich vor allem mit ihren Eigenschaften, sodass innerhalb
dieses Hundetypus viele unterschiedliche optische Merkmale zu Tage
traten. Es ist anzunehmen, dass in Rumänien ebenfalls vergleichbare
Schläge vorkommen.

Alles im Blick
hat dieser Podhalaner, ein polnischer Herdenschutzhund. Hunde mit
ähnlicher Statur und gleichem, ursprünglichem Aufgabenbereich
findet man auch in Rumänien.
Dann
gibt es noch die Hunde, die einfach mit auf dem Hof leben. Wenn sie
Glück haben, können sie den ganzen Tag frei mitlaufen und
nachts im Stall schlafen und werden ansonsten genauso geliebt, wie
wir unsere Hunde lieben. Wenngleich der Komfort, der ihnen zur Verfügung
steht, eben ein anderer ist, als wir es gewohnt sind, führen
diese Hunde ein zufriedenes Hundeleben. Wenn sie Pech haben, hängen
sie an der Kette und bekommen Futter fürs Bellen beim gegebenen
Anlass. Bellen sie nicht "gut", werden sie "entsorgt"
und ein besserer Wachhund nimmt ihren Platz ein. Auch dies sind meistens
Mischlinge ungeklärter Rasseherkunft.
Es gibt ebenso Hunde, die ähnlich wie bei uns als ganz normale
Familienhunde leben. Sie kennen Wohnung und das Spazierengehen an
der Leine und landen vielleicht durch einen blöden Umstand im
Tierheim und werden nicht wieder abgeholt. Für diese Hunde müssen
die Umstände im Tierheim ein wahrer Schock sein.
Und nicht zuletzt gibt es die Hunde, die auf der Straße leben.
Manche davon haben ihr festes Revier, werden von tierlieben Menschen
sogar gefüttert und kommen so eine Zeit lang relativ gut durch.
Durch Tierfänger, die meist von den Städten engagiert werden,
landen solche Hunde im Tierheim oder aber sie werden von demjenigen
gebracht, der sie gefüttert hat und der nun Angst hat, es könnte
ihnen etwas zustoßen, wenn jemand, der weniger Zuneigung für
die Tiere empfindet, damit droht, sie zu vergiften.

Streuner auf dem
oberen Rand der Müllkippe neben dem Tierheim von Miercurea Ciuc.
Man kommt nicht wirklich nahe an die Hunde heran. Sie passen sehr
gut auf.
Sie
merken vielleicht schon, die Hintergründe der Vierbeiner sind
vielfältig. Eine einzelne Schublade lässt sich nicht für
sie finden, weder was ihre Rasse betrifft noch ihre persönliche
Geschichte. Ihre Vita ist so vielfältig wie das Land selbst in
dem sie leben. In unserem Tierheim haben wir viele Hunde, die aussehen
wie Mischlinge von Schäferhunden. Es gibt auch besonders viele
mittelgroße Hunde, die wie Terriermischlinge aussehen. Und Hunde,
die wie Collies aussehen. Hunde, mit kurzen Beinen, weißem,
weichem Kuschelfell mit den typischen, bunten Flecken, Knicköhrchen
und Ringelrute. Kleine graue Hunde mit stupselligem Deckhaar und schwarz-weiße
mit langen Beinen. Irgendwie sehen sie alle anders aus aber
doch, wenn man eine Zeit in Rumänien verbringt, dann wird man
erkennen, dass sich diese Mischlinge doch insgesamt sehr ähnlich
sehen. Aber was genau in ihnen drin steckt, das wissen nur sie selbst.
Was
bedeutet das nun, wenn Sie sich hier in einen der Fellfreunde verliebt
haben?
Nun raten wir ihnen, dass Sie sich über die verschiedenen Hunderassen
informieren sollen und im gleichen Atemzug sagen wir ihnen, dass sich
die wenigsten unserer Schützlinge überhaupt konkret einer
Rasse zuordnen lassen. Ja wie denn nun?
Ganz einfach. Wir müssen jeden Hund in seiner Individualität
betrachten. Wenn der Hund in einer Pflegestelle wartet, dann haben
wir die besten Möglichkeiten, den Hund mitsamt seinen Eigenheiten
und Bedürfnissen einzuschätzen. Er wird dort auf das Leben
in einer deutschen Familie vorbereitet. Wenn er noch nicht weiß,
was eine Leine und ein Brustgeschirr oder ein Halsband ist, dann lernt
er es jetzt kennen. Wenn er noch nicht wusste, dass man ein Haus durch
eine Tür betritt, auch wenn man bisher immer an Hauseingängen
verjagt wurde, dann lernt er nun, dass das in Ordnung ist und man
da nun auch als Hund rein gehen darf.
Wir haben es hier auch mit Hunden zu tun, die mit dem normalen Alltag
schon komplett vertraut sind und in der Pflegestelle oder im neuen
Zuhause gar nicht viel neues lernen müssen. Auto fahren, kein
Problem. Stubenreinheit, na klar, als hätt's nie was anderes
gegeben. Wir haben es hier auch mit Hunden zu tun, die mit jedem Mensch
gut Freund sind. Entweder, es ist ihnen noch nie etwas Böses
zugestoßen oder aber sie haben es geschafft - und das finde
ich immer wieder bewundernswert - sich ihre aufgeschlossene, ehrliche
Art trotz Quälereien und Misshandlungen zu erhalten.
Wir haben es aber auch mit Hunden zu tun, die vielleicht schon einiges
erlebt haben. Die sich durchkämpfen mussten. Die gelernt haben,
wie man sich durchsetzt und sich einen Vorteil verschafft z.B. was
die Nahrungsaufnahme betrifft. Das muss nicht bedeuten, dass dadurch
ein Problem entsteht, man muss es nur im Hinterkopf haben, damit man
den Hund besser verstehen kann.
Während in Südeuropa der Tourismus weit verbreitet ist und
es häufig vorkommt, dass Straßenhunde geduldet und sogar
von Urlaubern versorgt werden, hat das in Rumänien Seltenheitswert.
Hier überlebt nicht unbedingt nur der Stärkere, aber mit
Sicherheit der Clevere und Vorsichtige. Nun würde ich im Traum
nicht wagen zu behaupten, dass rumänische Hunde klüger sind
als andere (denn das würde ja bedeuten, dass die anderen dümmer
sind). Aber die meisten sind gute Beobachter. Sie brauchen einen konsequenten
Umgang. Naja, eigentlich brauchen das alle Hunde. Aber es macht schon
einen Unterschied, ob man sich einen Welpen vom Züchter direkt
in die Familie holt, dieser alle nötigen Sozialisierungsmöglichkeiten
erhält und man ihn vor negativen Einflüssen bewahrt oder
ob man einen Hund mit einer Geschichte aufnimmt. Die Lebenserfahrung,
die manche dieser Hunde bereits gesammelt haben, die kommt nicht immer
gleichermaßen zum Vorschein. Aber es kann auch mal Überraschungen
geben, mit denen man zunächst nicht gerechnet hat - positiver,
wie auch negativer Art. Und diesen Aspekt möchten wir nicht verschweigen.
Man kann so einem Hund seine Lebenserfahrung ja schließlich
nicht einfach abspenstig machen.
Viele der Hunde fügen sich problemlos in ihr neues Leben ein
und zeichnen sich sogar durch eine besonders umgängliche, anspruchslose
Art aus, die wir Menschen vielleicht als Dankbarkeit bezeichnen würden.
Manche Hunde haben Anlaufschwierigkeiten, tun sich mit der Umstellung
etwas schwerer als andere. Doch wir sind der Meinung und auch die
Erfahrung zeigt uns, dass sich der Einsatz lohnt, auch wenn mal der
ein oder andere Stein im Weg zu liegen scheint.
Wenn man bereit ist, sich mit hündischen Eigenschaften auseinander
zu setzen... Wenn man lernen möchte, was in so einem rumänischen
Hundeköpfchen vorgeht... Wenn man bereit ist Zeit zu investieren
- manchmal mehr und manchmal weniger... Wenn man Geduld mitbringen
kann und sich auf das einlässt, was der Hund mir bietet, anstatt
Erwartungen zu stellen... Dann könnte der rumänische Hund
der richtige sein.

Ein Retriever-Mischling?

Ein Border-Collie-Mischling?

Ein Malamute-Mischling?

Ein Corgi-Mischling?
Wir
wissen es nicht.
Sollten
Sie sich nun weiterhin für einen unserer Vierbeiner interessieren,
dann kontaktieren Sie uns, damit wir uns über Ihre Bedürfnisse
und die ihres potentiellen neuen Familienmitgliedes austauschen können.
Ihr
Freundeskreis BrunoPet